Auf Grund des langen Pfingstwochenendes wurde, das mit Spannung erwartete Bezirksliga-Derby zwischen dem in der Rückrunde noch ungeschlagenen SV Deckenpfronn und dem noch nicht gesicherten VfL Herrenberg auf den Dienstagabend, 26.05. verlegt. Dadurch hatten die anderen Teams am Wochenende die Möglichkeit vorzulegen und der ASV Botnang verdrängte durch einen Sieg den SVD von der Tabellenspitze. Die junge Herrenberger Mannschaft belegte vor dem Spiel einen Platz gefährlich nahe an den Abstiegsrängen.
Es war also klar, dass beide Mannschaften die drei Punkte brauchen würden und der VfL wusste, wie man den SV Deckenpfronn schlägt. Im März setzte das Team aus der Gäustadt dem Team der Stunde aus der Bezirksliga im Pokal-Viertelfinale eine empfindliche 0:3-Niederlage zu – die bis dato einzige für das Team von Alex Thies im gesamte Jahr 2026.
Entsprechend war das Deckenpfronner Team auf Wiedergutmachung aus. Die rund 350 Zuschauer musste sich jedoch rund 20 Minuten gedulden, ehe das Spiel angepfiffen werden konnte. Der eingeteilte Schiedsrichter war nicht erschienen und es musste kurzerhand ein Ersatz gefunden werden. Nachdem ein zuschauender Schiedsrichter aus Gültstein einsprang, dauerte es keine Minute bis zur ersten Torchance für den SVD. Nach einer Ecke sprang der Ball gefährlich nahe vor dem VfL-Tor umher, doch kein Deckenpfronner konnte den Ball über die Linie drücken. Eine ähnliche Möglichkeit gab es wenig später auch für die Gäste, doch Filip Furac konnte den Ball gerade noch so mit dem Oberschenkel über die Latte lenken. Es entwickelte sich ein unterhaltsames Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Ein Deckenpfronner sorgte schließlich für das erste Tor – allerdings im Trikot des VfL Herrenberg. Colin Kugel nahm den Ball nach einer geklärten Ecke volley und das Spielgerät schlug vom Innenpfosten im Tor ein (16.). Und es kam noch dicker für den SV Deckenpfronn. Der VfL war die bessere Mannschaft und erarbeitete sich weitere Eckbälle. Bei einem dieser Standards war die beste Defensive der Liga zu unaufmerksam und ließ einen Herrenberger Spieler völlig allein. Seine Direktabnahme aus wenigen Metern war für Lars Pfeifer im SVD-Kasten unhaltbar (27.). Nach einem Zusammenprall musste auch noch Linksverteidiger Ilias Patridas mit heftigen Kopfschmerzen vom Platz. Für ihn kam Tim Paulus in die Partie. Es lief alles andere als rund für Deckenpfronn.
Außer einem Versuch von Timo Schwarz per Freistoß und zwei Kopfbällen von Tim Paulus und Alexander Wetsch – beide direkt in die Arme des Torhüters – bekam der SVD vor der Halbzeit nicht mehr viel zu Stande.
Die zweite Halbzeit schien zu beginnen wie die erste geendet hatte, denn auch Leon Marquardt musste verletzt raus. Alex Thies wechselte offensiv und brachte Flügelstürmer Angelos Zervas.
Seine Halbzeitansprache schien jedoch Wirkung zu zeigen, denn der SV Deckenpfronn zeigte ein anderes Gesicht. Durch zwei Standard-Tore kam die Thies-Elf in die Partie zurück. Torjäger Niklas Wunsch war nach einem Eckball zur Stelle (61.) und Noah Kimmerle besorgte vom Elfmeterpunkt aus den Ausgleich (73.). Zuvor war der aufgerückte SVD-Innenverteidiger Louis Mehl bei einem hohen Ball vom Herrenberger Torhüter mit der Faust im Gesicht getroffen worden.
Das Momentum war nun ganz auf der Seite der Gastgeber. Deckenpfronn wollte den Sieg.
Doch auch Herrenberg spielte nun wieder mit. Lars Pfeifer musste einige Male eingreifen. Beim platzierten Schuss des Herrenberger Torjägers aus 23 Metern war echt jedoch machtlos (81.). Deckenpfronn stemmte sich gegen die drohende Niederlage, doch der VfL spielte die Partie gekonnt runter. Der „Derbysieger“-Jubel der Gäste schmerzte den SVDlern und die Serie von 13 Spielen ohne Liga-Niederlage war gerissen. „Wir haben nach wie vor alles in der eigenen Hand und nun zwei Endspiele“, sagte Thies angesichts der Tabellensituation. „Diese Niederlage wirft uns nicht zurück und wir werden am Wochenende auf dem Darmsheimer Eichelberg wieder Vollgas geben.“ Vielleicht war das ein Dämpfer zum richtigen Zeitpunkt. Das Meisterschaftsrennen in der Bezirksliga bleibt spannend.